Bluthochdruck – Therapie – Hochfrequenzablation

Behandlung mit Stromimpulsen

Hoffnung für Hochdruck-Patienten

Mediziner am Universitätsklinikum des Saarlandes testen im Rahmen einer internationalen Studie ein neues Verfahren, das schweren Bluthochdruck langfristig senken soll. Bisher wurden weltweit über 100 Patienten mit der sogenannten Hochfrequenzablation behandelt.

Die Ärzte führen einen Katheter in die Nierenarterie ein und leiten hochfrequenten Strom hinein. Diese sogenannte Ablation schaltet die überaktiven Nierennerven aus, die den Bluthochdruck verursachen. Der Eingriff sei relativ einfach und dauere etwa 30 bis 60 Minuten, teilten die Wissenschaftler mit. Die Patienten bekommen vorher eine lokale Betäubung und ein Schmerzmittel. Nach der Ablation normalisiere sich der Blutdruck innerhalb von Minuten. Ziel des Verfahrens sei es, den Blutdruck nachhaltig zu senken und so die Einnahme von Medikamenten zu reduzieren, sagten die Forscher. Vor dem Eingriff hätten die Patienten häufig bis zu fünf verschiedene Präparate täglich eingenommen, ohne dass sich ein Behandlungserfolg gezeigt habe.

Internationale Studie in Deutschland und Australien

Die Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums des Saarlandes wurde vor zwei Jahren zum europäischen Exzellenzzentrum für Bluthochdruck gewählt. Für die internationale Studie „Simplicity HTN-2 Study“ kooperiert das Zentrum mit dem Baker Institute in Melbourne, Australien. In Deutschland nehmen außerdem noch drei weitere Zentren teil. Der Leiter der Studie in Deutschland ist der Direktor des Exzellenzzentrums, Professor Dr. Böhm.

Weltweit wurden im Rahmen der Studie bisher mehr als 100 Patienten mit dem neuen Verfahren behandelt. Einer vom ihnen, Harald Klein, berichtet, dass er vor dem Eingriff unter Schlafstörungen, starken Kopfschmerzen und innerer Unruhe gelitten habe. Drei Monate nach der Therapie seien diese Symptome verschwunden und sein Blutdruck, der vorher oft bei 220 gelegen hätte, habe sich auf 128 zu 79 mmHg normalisiert.

Todesursache Nummer eins

In Deutschland ist Bluthochdruck die häufigste Todesursache. Da viele Betroffene von der Krankheit nichts wissen, kommen sie oft erst dann zum Arzt, wenn schon körperliche Schäden entstanden sind. „Nur 50 Prozent der Bluthochdruckfälle werden entdeckt und nur 20 Prozent der Bluthochdruckfälle werden adäquat behandelt“, schätzt Studienleiter Böhm. Ein Blutdruck von 120 zu 80 mmHg ist ideal.

Für die Studie wählen die Mediziner ausschließlich Patienten aus, die unter schwerem Bluthochdruck leiden (über 160 mmHg bzw. über 150 mmHg bei zusätzlichem Diabetes mellitus Typ 2) und bei denen sich durch mehrere Medikamente keine Besserung gezeigt hatte. Das Alter der Patienten spielt keine Rolle, ausgeschlossen sind allerdings Patienten, bei denen die Nierenarterie verengt ist.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten denkbar

Durch Zufall stellten die Forscher fest, dass sich das Verfahren der Hochfrequenzablation auch positiv auf Stoffwechselstörungen auswirken kann. Sie hoffen, dass sie damit in Zukunft auch Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz behandeln können. Noch gibt es allerdings keine Langzeitwerte, da das Verfahren erst seit 18 Monaten im Einsatz ist.

Sind die langfristigen Ergebnisse der Studie positiv, wird das Verfahren in die reguläre Therapie bei Bluthochdruck integriert. Möglicherweise kann es auch Patienten mit nur gering erhöhtem Bluthochdruck helfen und so Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzschädigungen und Demenz vorbeugen.

 

16.07.2009

 


Quellen: Universität des Saarlandes

Bilder: Shutterstock (7), Universität des Saarlandes: Rüdiger Koop (2)

Animationen: ardianinc.com (1), CirclesandLines (1)

Bluthochdruck ist die häufigste Todesursache in Deutschland. Wissenschaftler testen ein neues Verfahren, um den Blutdruck langfristig zu senken.

Bei der Hochfrequenzablation wird Strom über einen Katheter in die Nierenarterien (rot) eingeleitet. So sollen die überaktiven Nierennerven ausgeschaltet werden, die den Bluthochdruck verursachen.

Das europäische Exzellenzzentrum für Bluthochdruck in Homburg ist eine der Kliniken, die an der internationalen Studie beteiligt ist.